Im Interview mit ElektroBIKE spricht Grace-Erfinder Michael Hecken über die Geburtsstunde des Grace-E-Bikes, das Fahrgefühl und darüber, wie E-Bikes die Welt verändern werden.
ElektroBIKE: Wie entstand die Idee für das E-Bike?
Michael Hecken: “Bei einer Fahrt vom Bahnhof Bernau zu meinem Haus. Eine Distanz von zwölf Kilometern. Ich hatte die Strecke Berlin Mitte-Bernau mit dem RegioExpress zurückgelegt. Mit der Kombination E-Bike und RegioExpress (ein Transport ist im Gegensatz zum Motorroller legal und möglich) ließe sich die gesamt Fahrzeit auf etwa 25 Minuten senken. Mit dem Auto dauert die Tour 40 Minuten und kostet je nach Benzinverbrauch etwa acht Euro.”
Welchen Hintergrund hat der Markenname?
“Grace ist eine Anlehnung an den Stil und das Wertebewusstsein der 60er-Jahre. Grace Kelly, Mercedes SL das Apollo Raumfahrtprogramm. In meinen Augen war dies eine Zeit, die im starken Gegensatz zu der Aldi- und Mediamarkt-Mentalität der heutigen Generation steht. Für uns hat Stil und Qualtiät etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Der Markenname hat aber auch etwas mit Geschwindigkeit zu tun – das Wort Race ist in dem Markennamen enthalten. Das wir das erste E-Motorbike mit 45 km/h gebaut haben, ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unsere Kommunikation, auch wenn wir heute bereits Fahrzeuge in der E-Bike- und Pedelec-Klasse anbieten.”
Wen wollen Sie mit diesen Bikes ansprechen? ”
Jeden, der etwas von Design und Technik versteht und gerne ein E-Bike hätte, ohne dabei als Rentner abgestempelt zu werden. Es ist einfach eine neue Fahrzeugklasse. Natürlich ist es etwas ungewohnt, ein Fahrzeug zu fahren mit einem solch massiven Rahmen. Aber besser ein vollintegriertes Fahrzeug als ein Fahrrad, bei dem einfach nur Motor, Batterie und der ganze Kabelsalat draußen am Rad hängen. Es ist wie bei allen Innovationen nur eine Frage der Zeit, bis der Konsument den Unterschied zwischen vollintegrierten E-Bikes und zusammengewürfelten Fahrzeugen versteht.”
Worauf sind die beim Grace Pro besonders stolz?
“Auf die kompromisslose Qualiät und den durchschlagenden Erfolg in allen Medien. Vor allem unser Youtube-Video ist derzeit das wohl meistgesehene E-Bike-Produktvideo weltweit – das zeigt, dass wir mit dem Produkt die Menschen erreichen. Besonders stolz sind wir aber, dass wir es geschafft haben, auf Basis des Pro-Modells ein One zu entwickeln, das auch erschwinglich ist, ohne bei der Qualiät auch nur einen Prozent Abstriche zu machen. Der mittlerweile gute Preis von 4.199 Euro – es war sehr viel Arbeit, den Preis im Vergleich zum Pro-Modell quasi zu halbieren.”
Was war Ihnen besonders wichtig bei der Konstruktion des Rads?
“Ganz klar die Vollintegration. Ein E-Bike wie ein Smartphone. Daraus ergibt sich automatisch ein gutes Design und eine hohe Betriebssicherheit. Ein Grace könnten Sie zumindest in der Theorie jahrelang draussen im Regen parken, es würde dem Akku und der Elektronik nichts ausmachen. Ich wette, dass ein normales E-Bike einem solchen Versuch keine sechs Monate standhalten würde.”
Was ist das besondere an einer Fahrt mit einem Grace-Bike?
“Im Hochsommer ist es einfach nur das wohl coolste Fortbewegungsmittel überhaupt. Eine Fahrt von meinem Haus an den Brandenburger Liepnitzsee bei 30 Grad mit meiner Frau auf einem zweiten Grace ist schon der Hammer. 35 Grad im Schatten und mit 45 km/h Lautlos durch den Wind ‘fliegen’. Ich bin früher viel gesegelt. Das kommt dem schon sehr nah, aber ohne seekrank zu werden.”
Wie werden E-Bikes die Fahrrad-Welt verändern?
“Es werden einfach immer mehr. Vor allem dort, wo das Fahrrad ein Transportmittel ist, wird das E-Bike sehr stark werden. Wenn ich täglich in Berlin sehe, wie die Leute sich einen abstrampeln, obwohl der Elektromotor hier einfach viel effizienter ist als zwei Beine, kommt es mir vor, als würde ich im letzten Jahrhundert leben. Ich bin ein visionärer Mensch und muss bei den Diskussionen immer schmunzeln: Ein Blick nach China reicht, um zu sehen, wie die Zukunft aussieht. Dort fahren 25 Millionen E-Bikes in den Städten rum. Roller, Mofas, etc. sind mittlerweile in den meisten Kommunen ganz verboten. Heute wäscht niemand mehr seine Wäsche mit der Hand, diese Arbeit verichtet ein 500 Watt Elektromotor in der Waschmachine. Bei Fahrrädern wird es genauso kommen. Dass es immer noch einen riesen Markt für konventionelle Fahräder geben wird, steht außer Frage, aber dies wird sich mehr auf den sportlichen Bereich konzentrieren.”







